Das mythische Königtum Feti
Das besondere an dieser Mythe besteht darin, daß sie einen historischen Kern besitzt und mit einer gleichnamigen archäologischen Fundstätte in Verbindung steht, die zu den größten im gesamten westlichen Zentralafrika zählt. Sie liegt am südlichen Rand des Planalto zwischen der Einmündung des Cunhangâma in den Cunene. Ihre Ausdehnung wurde bereits im Jahre 1893 von einem Missionar als „genauso groß wie Lissabon“ beschrieben. Ihre weitgehende Zerstörung durch die erste laienhafte Ausgrabung Mitte des 20. Jahrhunderts und den späteren Bau eines hydroelektrischen Damms wird heute als ein großes Unglück und schwerer Verlust für die Geschichte Angolas bewertet. Ihre Größe und die beschriebenen Funde reichen aber aus, um ihre Bedeutung herauszustellen. So ist von einem 6m tiefen und 10 bis 12km langen Verteidigungswall zwischen den beiden Flüssen die Rede, von einer etwa 5m hohen und 15m breiten Steinpyramide, von Gräbern, Keramik, 400 Hackenblättern (z.T. von ungewöhnlicher Form) und anderen Eisengeräten wie einem Schmiedehammer und einem Stichel, von Glocken, Gongs, Eisenpfeilen, Bogen aus Kupfer und einer kupfernen Hundefigur. Nur wenig davon ist erhalten und dokumentiert. Aber schon dieses wenige deutet mit seinen Steinbauten und Wällen, den Hinweisen auf Eisenminen, den vielfältigen Eisenobjekten und den zahlreichen Überresten des Speisezettels von Rindern und Wild auf eine fleißige, wohlhabende Gesellschaft und ein blühendes Handelszentrum hin. Zusammen mit zwei Radiokarbondatierungen reichen die vorliegenden Angaben aus, um mit Jan Vansina in Feti die Hauptstadt des vielleicht ersten Königtums der Ovimbundu zu sehen, das sich hier während des 13. Jahrhunderts herausgebildet und dann bis in das 16. Jahrhundert bestanden haben könnte. Literaturhinweise: Heintze, Beatrix, Alfred Schachtzabels Reise nach Angola 1913-1914 und seine Sammlungen für das Museum für Völkerkunde in Berlin. Köln 1995, S. 52-53.
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