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Das mythische Königtum Feti

Vor langer, langer Zeit – erzählen die Ngalange in Zentral-Angola – fiel ein Mann vom Himmel herab, der Feti (von okuféti – beginnen) hieß. Bei seinen Streifzügen durch das Land stieß Feti, ein Jäger, zwar auf viele Tiere, mußte aber feststellen, daß er der einzige Mensch auf der Erde war. Schließlich kam er bis zum Cunene und beschloß, dort zu fischen. Doch statt des verfolgten Nilpferds sah er plötzlich eine ihm selbst sehr ähnliche Figur aus dem Wasser auftauchen. Es fischte sie aus dem Fluß und nannte sie Coya (von okuoya – vollenden). Sie war die erste Frau auf Erden und so schön, daß sich Feti heftig in sie verliebte und mit ihr die erste Familie gründete. Als ihnen ein Sohn geboren wurde, nannten sie ihn Ngalange. Später kam noch eine Tochter, Viye, auf die Welt. Diese Kinder wurden dann zu den Stammeltern aller übrigen Ovimbundu. Die Fußspuren von Feti und seinem Hund sollen noch am Cunene zu sehen sein.

Diese Mythe war nicht nur bei den Ngalange, sondern auch bei ihren Nachbarn in verschiedenen Varianten verbreitet. Einer anderen Version zufolge hatte Feti schließlich drei Frauen, nämlich Tembo, Coya und Civi. Weil Coyas Kind erkrankte und Civi sich ihren Bitten verweigerte, dem Kind Leben einzuhauchen, kam mit dem Sterben des Kindes dann auch der Tod in die Welt.

Das besondere an dieser Mythe besteht darin, daß sie einen historischen Kern besitzt und mit einer gleichnamigen archäologischen Fundstätte in Verbindung steht, die zu den größten im gesamten westlichen Zentralafrika zählt. Sie liegt am südlichen Rand des Planalto zwischen der Einmündung des Cunhangâma in den Cunene. Ihre Ausdehnung wurde bereits im Jahre 1893 von einem Missionar als „genauso groß wie Lissabon“ beschrieben. Ihre weitgehende Zerstörung durch die erste laienhafte Ausgrabung Mitte des 20. Jahrhunderts und den späteren Bau eines hydroelektrischen Damms wird heute als ein großes Unglück und schwerer Verlust für die Geschichte Angolas bewertet. Ihre Größe und die beschriebenen Funde reichen aber aus, um ihre Bedeutung herauszustellen. So ist von einem 6m tiefen und 10 bis 12km langen Verteidigungswall zwischen den beiden Flüssen die Rede, von einer etwa 5m hohen und 15m breiten Steinpyramide, von Gräbern, Keramik, 400 Hackenblättern (z.T. von ungewöhnlicher Form) und anderen Eisengeräten wie einem Schmiedehammer und einem Stichel, von Glocken, Gongs, Eisenpfeilen, Bogen aus Kupfer und einer kupfernen Hundefigur. Nur wenig davon ist erhalten und dokumentiert. Aber schon dieses wenige deutet mit seinen Steinbauten und Wällen, den Hinweisen auf Eisenminen, den vielfältigen Eisenobjekten und den zahlreichen Überresten des Speisezettels von Rindern und Wild auf eine fleißige, wohlhabende Gesellschaft und ein blühendes Handelszentrum hin. Zusammen mit zwei Radiokarbondatierungen reichen die vorliegenden Angaben aus, um mit Jan Vansina in Feti die Hauptstadt des vielleicht ersten Königtums der Ovimbundu zu sehen, das sich hier während des 13. Jahrhunderts herausgebildet und dann bis in das 16. Jahrhundert bestanden haben könnte.

Literaturhinweise:

Heintze, Beatrix, Alfred Schachtzabels Reise nach Angola 1913-1914 und seine Sammlungen für das Museum für Völkerkunde in Berlin. Köln 1995, S. 52-53.
Keiling, Luiz, Quarenta anos de África, Fraião und Braga [s.d., 1934], S. 108-109.
Vansina, Jan, How Societies are Born . Governance in West Central Africa before 1600. Charlottesville und London 2004, S. 170-174.


Autorin:
(Informationen über Frau Dr. Heintze)
Dr. Beatrix Heintze
(ehemalige Mitarbeiterin des Frobenius-Institutes)
Frobenius-Institut
Grüneburgpark 1
60323 Frankfurt
  Tel. Sekretariat: (069) 798 330 50
Heintze@em.uni-frankfurt.de
www.frobenius-institut.de

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