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Der Staat Ndongo und seine berühmte Königin Njinga

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"Der erste König von Ndongo, Angola Mussuri" (Cavazzi, Mitte 17. Jh.; aus: Bassani, Poro 4, 1987). Er galt als bedeutender Schmied und trägt die ihn als König ausweisende feingemusterte Palmfaserkappe)

Im Hinterland von Luanda bestand seit etwa dem 15. Jahrhundert das Königtum Ndongo der Mbundu, dessen Kerngebiet sich zwischen den Flüssen Kwanza und Lukala erstreckte. Seine Könige führten den Titel Ngola bzw. Ngola a Kiluanji. Von ihm leitet sich der Name des modernen Staates Angola ab. Ndongo, das jahrzehntelang erbitterte Kämpfe gegen die Besetzung seines Landes durch die seit 1575 ins Innere vorstoßenden Portugiesen führte und dabei zunächst einige große Erfolge hatte, wurde schließlich 1671 endgültig von den Portugiesen erobert und zerschlagen.

Ndongos bedeutendster Herrscher war zweifellos Königin Njinga Mbandi Ana de Sousa (1582?-1663), die weit über Angola hinaus bekannt und berühmt geworden ist.

Njinga ergriff 1624 in Ndongo gewaltsam die Macht. Gegensätzliche, wesentlich durch den Atlantischen Sklavenhandel geprägte Interessen führten zum Bruch mit den Portugiesen, die sie mit Hilfe eines Gegenkönigs aus Ndongo vertrieben (1629).

Njinga sicherte ihr Überleben durch Bündnisse mit den gefürchteten Mbangala (den "Jaga" der Quellen) und eroberte mit ihrer Hilfe um 1630 das im Nordosten angrenzende Königtum Matamba. Auf diese Weise gewann sie ihren vollen Handlungsspielraum zurück und schuf sich eine neue Machtbasis, ohne ihren Herrschaftsanspruch auf Ndongo jemals aufzugeben. Matamba, eine unüberwindliche Barriere zwischen den östlich und westlich gelegenen Gebieten, wurde unter Njingas Herrschaft zu einem der wichtigsten Brokerstaaten des Sklavenhandels.

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Königin Njinga in Matamba (Cavazzi, Mitte 17. Jh.; aus: Bassani, Poro 4, 1987)

Während der holländischen Okkupation Angolas (1641-1648) wurde Njinga abermals zu einem gefährlichen Gegner der Portugiesen, doch nach der Vertreibung der Holländer durch die Portugiesen suchte die stets realpolitisch denkende Njinga mit ihnen den Ausgleich. Nach ihrer Rückkehr zum katholischen Glauben (1656, sie war 1622 in Luanda getauft worden) beendete ein Friedensvertrag (1657) die über dreißig Jahre lang erbittert geführten Auseinandersetzungen.

Njinga, die bedeutendste Politikerin der angolanischen Geschichte, war eine außergewöhnliche Persönlichkeit. Skrupellos und von unbeugsamer Härte bei der Durchsetzung ihrer Interessen, machtbewußt und von großem diplomatischen Geschick, war sie gleichzeitig klug und großherzig. In jüngster Zeit wurde sie zu einer nationalen Symbolfigur des afrikanischen Widerstands gegen die Kolonialherrschaft.

Der Kapuziner-Missionar António Cavazzi, der mehrere Jahre an Njingas Hof in Matamba weilte, hat dort eine Reihe von Aquarellen gemalt, die außer dem mythischen Schmiedekönig von Ndongo, Mussuri, auch Njinga und ihr Gefolge in mehreren anschaulichen Szenen festhalten.


Autorin:
(Informationen über Frau Dr. Heintze)
Dr. Beatrix Heintze
(ehemalige Mitarbeiterin des Frobenius-Institutes)
Frobenius-Institut
Grüneburgpark 1
60323 Frankfurt
  Tel. Sekretariat: (069) 798 330 50
Heintze@em.uni-frankfurt.de
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